Gemüse kennt nicht nur vier Jahreszeiten, sondern eigentlich zwölf. Denn fast jeder Monat hat sein ganz eigenes Lieblingsgemüse, das gerade dann besonders gut schmeckt, frisch aus der Region kommt und oft auch am günstigsten ist. Wer saisonal einkauft, isst nicht nur geschmackvoller, sondern tut auch der Umwelt etwas Gutes: kürzere Transportwege, kein beheiztes Glashaus, mehr Abwechslung auf dem Teller. Unser Gemüsekalender begleitet dich durchs Jahr – mit zwölf Saisonsorten, schönen Küchentipps und dem, was das jeweilige Gemüse für deine Gesundheit leisten kann.
Warum saisonal so viel Sinn macht
Gemüse, das zur richtigen Zeit geerntet wird, hatte Zeit, in Ruhe zu reifen. Das merkt man am Aroma. Wenn es dann auch noch aus der Region stammt, landet es frischer auf deinem Teller, weil es keine langen Transportwege hinter sich hat. Und ganz nebenbei bringt saisonales Kochen Abwechslung in die Küche: Statt das ganze Jahr dieselben fünf Gemüsesorten zu kaufen, entdeckst du jeden Monat etwas Neues.
Der Gemüsekalender: Jänner bis Juni
Jänner: Champignons
Warum wir sie lieben: Champignons sind wohl die am meisten unterschätzten Pilze. Sie schmecken in fast jeder Zubereitung, ob gebraten, geschmort, gefüllt oder roh im Salat. Weil sie das ganze Jahr in Pilzzuchten wachsen, sind sie gerade im Winter eine willkommene frische Zutat aus der Region.
Warum sie uns guttun: Champignons sind kalorienarm und enthalten kaum Kohlenhydrate, sie lassen den Blutzucker also kaum ansteigen. Außerdem liefern sie Kalium, das an der Regulation des Blutdrucks beteiligt ist.
Februar: Weißkraut
Warum wir es lieben: Ob geschmort, als knackiger Krautsalat oder als Sauerkraut – Weißkraut ist ein echter Winterheld, der sich lange lagern lässt.
Warum es uns guttut: Weißkraut liefert viel Vitamin C und Ballaststoffe. Als frisches, nicht pasteurisiertes Sauerkraut enthält es zudem lebende Milchsäurebakterien, die deine Darmflora bereichern können. Wie alle Kohlsorten steckt es voller sekundärer Pflanzenstoffe, deren gesundheitliche Wirkung intensiv erforscht wird.
Lies auch: Darmgesundheit: So stärkst du dein Mikrobiom
März: Bärlauch
Warum wir ihn lieben: Für alle Knoblauchfans ist Bärlauch ein Muss. Er ist herrlich vielseitig: als Pesto, in der Suppe, im Aufstrich oder kurz gegrillt.
Warum er uns guttut: Bärlauch enthält ähnliche schwefelhaltige Verbindungen wie Knoblauch, die der Verdauung guttun können, und liefert reichlich Vitamin C.
Achtung beim Selbersammeln: Bärlauch wird leicht mit giftigen Pflanzen wie Maiglöckchen oder Herbstzeitlose verwechselt, und solche Verwechslungen können lebensgefährlich sein. Sicheres Erkennungsmerkmal ist der Knoblauchgeruch, wenn du ein einzelnes Blatt zwischen den Fingern zerreibst. Aber Vorsicht: Der Geruch bleibt an den Händen haften, prüf also jedes Blatt einzeln. Wenn du dir nicht ganz sicher bist, kauf ihn lieber am Markt.
April: Lauch
Warum wir ihn lieben: Lauch gehört in jeden Suppenansatz, verdient aber auch einen Auftritt als Hauptdarsteller. Ein Geheimtipp: in Butter mit einem Hauch Vanille dünsten – das klingt ungewöhnlich, schmeckt aber wunderbar.
Warum er uns guttut: Lauch ist reich an Ballaststoffen, sättigt gut und füttert die guten Bakterien im Darm. Außerdem liefert er Vitamin K, das für gesunde Knochen wichtig ist.
Mai: Kohlrabi
Warum wir ihn lieben: Ob roh als knackiger Salat oder sanft gedünstet mit etwas Butter, frischem Dill und einem Klecks Crème fraîche – junger Kohlrabi ist ein echtes Frühlingshighlight.
Warum er uns guttut: Kohlrabi ist kalorienarm und liefert Vitamin C. Ein Tipp: Wirf die zarten Blätter nicht weg. Sie enthalten sogar mehr Calcium, Eisen, Magnesium und Vitamin C als die Knolle und schmecken fein gehackt im Salat oder in der Suppe.
Juni: Erbsen
Warum wir sie lieben: Frische, süße Erbsen direkt aus der Schote sind ein Sommergenuss. Und auch die Schoten müssen nicht in den Müll: Sie lassen sich entsaften oder für einen aromatischen Fond auskochen, der Saucen wunderbar abrundet.
Warum sie uns guttun: Erbsen sind Hülsenfrüchte und eine wertvolle pflanzliche Eiweißquelle – getrocknet sogar noch mehr als frisch. Dazu kommen Ballaststoffe und Carotinoide.

Der Gemüsekalender: Juli bis Dezember
Juli: Heurige Erdäpfel
Warum wir sie lieben: So simpel und doch so gut – ob als Gnocchi, Püree, knusprig aus der Pfanne oder einfach gekocht mit gutem Olivenöl und Salz. Besonders die ersten heurigen Erdäpfel mit ihrer dünnen Schale sind ein Genuss.
Warum sie uns guttun: Erdäpfel haben zu Unrecht den Ruf als Dickmacher. 100 Gramm gekochte Erdäpfel liefern nur rund 70 Kilokalorien, dafür aber viel Kalium, Vitamin C und Ballaststoffe. Zum Dickmacher werden sie erst durch Fett beim Frittieren oder viel Butter im Püree.
August: Steinpilze
Warum wir sie lieben: Für alle Pilzfans ein Highlight des Jahres. Goldbraun in der Pfanne gebraten und mit frischen Kräutern bestreut, entfalten sie ihr unvergleichliches, nussiges Aroma.
Warum sie uns guttun: Wildpilze wie Steinpilze enthalten etwas Vitamin D, das sonst fast nur in tierischen Lebensmitteln vorkommt – interessant also für alle, die vegan leben. Außerdem liefern sie Selen.
Gut zu wissen: Sammle nur Pilze, die du ganz sicher kennst, und lass sie im Zweifel bei einer Pilzberatung prüfen. Wildpilze können in manchen Regionen Österreichs bis heute Spuren von radioaktivem Cäsium aus dem Tschernobyl-Unfall enthalten. Ein gelegentlicher Genuss in üblichen Mengen gilt als unbedenklich.
September: Karfiol
Warum wir ihn lieben: Im Ganzen im Ofen gebacken, ist Karfiol ein echtes Festessen. Und nicht nur der Kopf, auch Blätter und Strunk lassen sich wunderbar verarbeiten, etwa in Suppen oder fein gehobelt als Salat.
Warum er uns guttut: Karfiol ist kalorienarm, reich an Vitamin C und Ballaststoffen und liefert wie alle Kohlsorten wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe. Wer empfindlich auf Kohl reagiert, verträgt ihn gegart meist besser als roh.
Oktober: Zwiebeln
Warum wir sie lieben: Die Zwiebel ist meist nur Nebendarstellerin in Suppen und Saucen. Dabei entfaltet sie im Ofen gebacken oder langsam geschmort ein herrlich süßliches, mildes Aroma und wird zum eigenständigen Gericht.
Warum sie uns guttun: Zwiebeln enthalten Schwefelverbindungen und den Pflanzenstoff Quercetin, die antioxidativ wirken. Außerdem liefern sie Präbiotika, also Ballaststoffe, von denen sich die guten Darmbakterien ernähren.
November: Stängelkohl und Brokkoli
Warum wir ihn lieben: Stängelkohl, oft auch als wilder Brokkoli verkauft, hat zarte Stiele und ein leicht herbes Aroma. Kurz in der Pfanne mit Knoblauch und Chili angebraten, ist er ein Gedicht.
Warum er uns guttut: Er liefert Kalium, Calcium, Magnesium und verdauungsfördernde Bitterstoffe. Spannend ist der Pflanzenstoff Sulforaphan, der in der Forschung viel Aufmerksamkeit bekommt. Er entsteht erst, wenn das Gemüse zerkleinert oder gut gekaut wird. Deshalb lohnt es sich, Brokkoli nur kurz zu garen und nicht zu Tode zu kochen.
Lies auch: 4 winterliche Rezepte mit Grünkohl zum Ausprobieren
Dezember: Rote Rüben
Warum wir sie lieben: Im Ofen gebacken oder als wärmender Borschtsch entfalten Rote Rüben ein süßlich-erdiges Aroma. Und ihre leuchtende Farbe bringt Leben auf jeden Wintertisch.
Warum sie uns guttun: Rote Rüben sind reich an natürlichem Nitrat. Der Körper wandelt es in Stickstoffmonoxid um, das die Blutgefäße erweitert. Studien zeigen, dass Rote-Rüben-Saft den Blutdruck leicht senken und die Ausdauerleistung verbessern kann – deshalb ist er auch bei Sportlern beliebt. Und keine Sorge, wenn sich nach dem Essen der Urin rötlich färbt: Das ist harmlos.
So gelingt der Einstieg ins saisonale Kochen
- Am Bauernmarkt einkaufen: Dort siehst du sofort, was gerade Saison hat – und kannst die Produzenten direkt nach Zubereitungstipps fragen.
- Ein Gemüsekistl abonnieren: Viele Biohöfe liefern wöchentlich eine Kiste mit dem, was gerade geerntet wird. Das bringt automatisch Abwechslung.
- Das ganze Gemüse verwenden: Blätter, Stiele und Schalen sind oft genauso wertvoll wie der Rest. So sparst du Geld und vermeidest Abfall.
- Für später konservieren: Einkochen, Einfrieren oder Fermentieren – so holst du dir den Sommer in den Winter.
Fazit: Jeder Monat hat seinen Star
Saisonal zu kochen heißt nicht, auf etwas zu verzichten, sondern das ganze Jahr über Neues zu entdecken. Von den Champignons im Jänner bis zu den Roten Rüben im Dezember hat jeder Monat sein eigenes Lieblingsgemüse, das gerade dann am besten schmeckt. Häng dir den Gemüsekalender gedanklich an den Kühlschrank – und lass dich beim nächsten Marktbesuch einfach von der Saison inspirieren.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung. Wer blutverdünnende Medikamente wie Vitamin-K-Antagonisten einnimmt, sollte größere Mengen an Vitamin-K-reichem Gemüse wie Kohl, Lauch oder Brokkoli mit dem Arzt besprechen. Bei Unsicherheit beim Sammeln von Wildkräutern oder Pilzen gilt: lieber stehen lassen. Bei Verdacht auf eine Vergiftung wende dich sofort an die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43 oder im Notfall an die Rettung unter 144.
No Comment! Be the first one.